Deutsche Geschichte



„Häutungen“ oder Geschichte „zum Anfassen“
Berlin hat sich im Laufe seiner Geschichte ständig gewandelt, denn Berlin ist eben eine relativ junge und sehr dynamische Stadt. Das gilt besonders für die letzten 150 Jahre: Industrialisierung und Gründerzeit, Erster Weltkrieg, Groß-Berlin, golden Twenties, 3. Reich, Zerstörung und Nachkriegszeit, geteilte Stadt, Wiedervereinigung, neue Hauptstadt…
Zeugen verschiedener Stationen vergangener Zeit finden sich trotz der großflächigen Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges an vielen Orten Berlins.
Preußens Glanz wird unter anderem lebendig in der Pracht Schinkelscher Bauwerke bei einem Spaziergang Unter den Linden, über den Gendarmenmarkt und den Bebelplatz zur Museumsinsel.
Orte an denen sich politische und soziale Spannungen Bahn brachen, angefangen mit den Barrikadenkämpfen 1848 über die Wirren der Weimarer Republik, die Aufstände am 17. Juni 1953, die Demonstrationen der Studentenbewegung, bis hin zu den Hausbesetzungen finden sich viele in Berlin: der Platz des 18. März, der Alexanderplatz, der Rosa-Luxemburg-Platz, der Landwehrkanal und viele mehr. Die Berliner waren und sind eben bis heute nicht sehr obrigkeitsgläubig und recht aufmüpfig, sie machen ihrem Unmut gerne Luft:
Industrialisierung und Arbeiterelend, lassen sich zum Beispiel in Kreuzberg, Moabit und Wedding vor Augen führen. Mit Siemensstadt ist ein ganzer Stadtteil zu einem Monument der Großindustrie geworden. Auch die Gründerzeit kann man in fast geschlossen erhaltenen Arealen in Prenzlauer Berg, aber auch in Charlottenburg und Wilmersdorf atmen.
Alltag und Widerstand während der NS-Zeit lassen sich in Berlin anschaulich und an den jeweiligen Schauplätzen thematisieren. Zahlreiche Zeugnisse der NS-Architektur, wie das Finanzministerium, der Flughafen Tempelhof und die Ost-West-Achse verdeutlichen noch heute den Größenwahn, der in den Untergang führte.
Die sich daraus entwickelnde Teilung der Welt in zwei Machtblöcke lässt sich an keinem Ort der Welt so deutlich erfahrbar machen wie in Berlin. Besatzungszonen, Kalter Krieg, Berlinblockade, Mauerbau und daraus folgend das Nebeneinander der „Hauptstadt der DDR“ mit SED-Diktatur, Gängelung und Schikane aber auch Wiederaufbau, staatlicher Fürsorge und Subkultur, Mauertoten und politischen Gefangenen sowie „Westberlins“ mit Marshallplan, Wirtschaftswunder, „Insel“-Dasein, Bundeswehrflucht und Studentenkrawallen. Und der lange, bis heute nicht abgeschlossene Weg zur Überwindung der Teilung.
Dies alles kann und sollte man in Berlin besonders realitätsnah behandeln und auch für ganz junge Leute plastisch und vorstellbar werden lassen z.B. mit einem „Mauerspaziergang“, mit einem Besuch im Stasigefängnis Hohenschönhausen oder mit Gesprächen mit Betroffenen und Zeitzeugen…
Darüberhinaus kann man aber auch die Gedenkkultur in dieser Stadt beleuchten und diskutieren. Auf der einen Seite die zentralen Gedenkstätten wie die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Plötzensee und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas, auf der anderen Seite die vielfältigen Mahnorte im Stadtbild, wie der für die Bücherverbrennung am Bebelplatz, das Deportationsmahnmahl an der Levetzowstraße aber auch das Bayrische Viertel.